
Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zeigt im K21 die erste Einzelausstellung des international renommierten Künstlers Jon Rafman in einem deutschen Museum. Die Ausstellung gibt einen Überblick über das seit 2008 entstehende Werk und stellt ihn als einen wegweisenden Künstler des digitalen Zeitalters vor. Rafmans künstlerische Arbeiten handeln mit scharfem Blick und dunklem Humor davon, wie wir als Gesellschaft mit dem Internet und seinen ständigen Veränderungen umgehen.
Jon Rafman wurde 1981 in Montreal geboren und lebt in Los Angeles. Nach dem Studium der Philosophie, Literatur und Film schloss er 2008 die Kunstschule des Art Institute Chicago ab. Rafmans künstlerische Praxis verbindet virtuos erzählte Geschichten mit fantastisch-grotesken Bildern und immersiven Rauminstallationen. Enthusiastisch und kritisch zugleich nutzt er computergestützte Bildsprachen und greift neueste digitale Techniken auf. Ein medienarchäologisches Interesse zeigt sich in Rafmans Beschäftigung mit dem Schicksal virtueller Plattformen wie „Second Life“ oder seinem seit 2008 betriebenen Projekt „Nine Eyes of Google Street View“.

Seit den Anfängen des Web 2.0 in der Mitte der Nullerjahre hat die künstlerische Generation der sogenannten Digital Natives das Internet für die künstlerische Praxis erkundet und kritisch beobachtet, wie die rasant sich entwickelnde digitale Technologie die Gesellschaft prägt.
Rafman nimmt eine medienarchäologische Perspektive ein, wenn er im Rückblick die individualisierten, nutzergenerierten Chatrooms und Message Boards aus der Anfangszeit des Internets thematisiert. Einst hochfrequentiert, wurden diese inzwischen zugunsten von zentralisierten Apps wie Snapchat und Instagram aufgegeben und erscheinen heute als verödete, digitale Ruinen.
Rafmans Arbeit hält dieser Leere einen Spiegel vor. Er fragt nicht danach, wie weit sich die Technologie seit den Nullerjahren entwickelt hat, sondern, wie sehr wir uns als Gesellschaft dadurch verändert haben.
Sechs Kapitel geben einen Überblick über Rafmans Schaffen. An Werken aus den letzten 18 Jahren lässt sich nachvollziehen, wie neue technologische Werkzeuge – von spezialisierter Software über Elemente des Videogamings bis hin zum Einsatz von KI – nicht nur Produktionsweisen, sondern auch Ästhetiken, Bildlogiken und Erzählweisen formen.
Gezeigt werden Rafmans frühe Werke wie „Kool-Aid Man in Second Life“ (2008-2011), die drei Videos der „Betamale Trilogy“ (2013-2015), die vierteilige Reihe von Essayfilmen, die mithilfe von Videospiel-Engines erstellt wurden (2013–2018) sowie – in einem großen Kino mit humanoiden Liegestühlen – die spielfilmlangen Videos „Dream Journal“ 2016-2019 (2019) und „Minor Daemon Vol. I“ (2020).

Die neueste Arbeit der Ausstellung ist das titelgebende Projekt „Main Stream Media Network“ (2025–2026). Unter Verwendung von Musikvideos, die mit KI-Tools erstellt wurden, handelt die Arbeit von MTV – als eine prägende kulturelle Kraft der 1980er- und 1990er-Jahre – als letztes Symbol einer gemeinsamen kulturellen Realität und stellt die Frage, was „Mainstream“ bedeutet, nachdem diese Realität zerfallen ist.
Die immersive räumliche Ausstattung der Ausstellung wurde mit dem Künstler und dem Architekturstudio Juvenilia entwickelt. Mit bedruckten Tapeten, Vorhängen, Planen, Teppichen, Einbauten, Requisiten und farbigem Licht bietet Rafmans Ausstellung eine abwechslungsreiche Erfahrung in größtmöglicher Distanz zum tradierten White Cube des Museums.
Ausstellung bis 27.09.2026, K21 Stiftung Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf,
http://www.kunstsammlung.de
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