Die Welt des Alessandro Mendini

Vor 25 Jahren zeichnete Alessandro Mendini als Chefarchitekt für den extravaganten Neubau des Groninger Museums verantwortlich. Kurz vor seinem Tod stellte Mendini noch eine umfangreiche Auswahl mit eigenen Werken wie auch Arbeiten jener Künstler zusammen, zu denen er eine künstlerische Verwandtschaft spürte, darunter Paul Signac, Gio Ponti und Michele De Lucchi. Mit über 200 Exponaten ist Mondo Mendini ein visuelles Spektakel voll Humor und Poesie, das Mendinis Œuvre als Designer und als Architekt in allen Facetten beleuchtet.

Das Museum wandte sich vor gut zwei Jahren mit der Bitte an Alessandro Mendini (1931-2019), nach eigenem Gutdünken eine Ausstellung zu seinem Schaffen einzurichten. Er zeigte sich sehr erfreut, noch einmal eine Ausstellung in „seinem“ Museum gestalten zu können. In Mondo Mendini sind seine bekanntesten Entwürfe zu sehen, darunter eine drei Meter hohe Riesenversion vom illustren Kitschsessel Poltrona di Proust aus der Fondation Cartier. Auch Anna G, der Korkenzieher in Form einer Ballerina, ein Bestseller von Alessi, darf natürlich nicht fehlen. Die Ausstellung bietet einen Querschnitt durch Mendinis umfangreiches Œuvre: von Schmuck über Haushaltsgeräten bis hin zu Architekturmodellen und raumgreifenden Skulpturen .

Mit seiner Ablehnung einer Hierarchie in den Künsten, zwischen Architektur, autonomer Kunst und Design, zwischen „hoher“ und „niederer“ Kunst, wurde er einer der bedeutendsten Repräsentanten der Postmoderne. Seine Objekte sind oftmals farbenfroh, dekorativ und überraschend: Fantasie ist ihm wichtiger als Funktionalität. Über den expressiven Reichtum seiner Entwürfe sagte Mendini einmal: „Meine Arbeit ist mit dem Schreiben eines Romans vergleichbar, in dem Ernst, Schmerz, Komödie und Poesie nebeneinander bestehen. Meine Objekte sind tragikomische Figuren.“

Ganz im Sinne seiner Kunstauffassung wollte Mendini in dieser Ausstellung nicht nur seine eigenen Werke zu zeigen, sondern auch die seiner Vorbilder aus Vergangenheit und Gegenwart. Schließlich hat er den künstlerischen Einfluss anderer immer großzügig anerkannt. In Mondo Mendini vereint er Künstler der klassischen Moderne wie Paul Signac, Wassily Kandinsky, Henri Matisse und Oskar Schlemmer, Architekturentwürfe von Theo van Doesburg und Gerrit Rietveld, Objekte italienischer Designer wie Gio Ponti, Michele De Lucchi und Gaetano Pesce sowie aktuelle Gemälde des Amerikaners Peter Halley.

Biografie Alessandro Mendini

Alessandro Mendini schloss 1959 sein Architekturstudium ab und arbeitete anschließend beim Architekturbüro Nizzoli Associati in Mailand. Unter Einfluss des revolutionären Geistes jener Zeit beschloss er nach zehn Jahren, sich vor allem mit den theoretischen Grundlagen von Architektur und Design zu befassen. Zwischen 1970 und 1976 war er Chefredakteur der Architekturzeitschrift Casabella, die für eine junge Generation gesellschaftskritischer, avantgardistischer Architekten und Designer zu einem Sprachrohr in Italien wurde. Danach arbeitete er als Chefredakteur der Design- Architekturzeitschriften Modo (1977-1981) und war Herausgeber von Domus (1980-1985 und 2010-2011).

Mendini setzte sich mehr und mehr als Designer durch. Besonders einflussreich waren seine bahnbrechenden Projekte mit Designerstudio Alchimia, wie dem 1981 entworfenen Mobile infinito (Das unendliche Möbel), an dem Designer und bildende Künstler an experimentellen Möbeln mit austauschbaren Dekors zusammenarbeiteten. Ab den 1980er-Jahren war er Berater für die Firma Alessi, für die er ungewöhnliche Kooperationsprojekte an der Schnittstelle von Kunst und Design initiierte. Zudem fertigte er Entwürfe für den Schweizer Uhrenproduzenten Swatch, für Philips und viele Designfirmen. Mit seinem jüngeren Bruder Francesco schuf er schillernde Bauwerke in Europa und in Asien, von denen das Groninger Museum das bekannteste ist. Bis ins hohe Alter baute er sein vielseitiges Œuvre aus fantasievollen, eigensinnigen, humorvollen und poetischen Kreationen weiter aus.

Ausstellung bis 05.05.2020, Groninger Museum, groningermuseum.nl

Bilder:
Oben: Poltrona Di Proust, 1978, Alesandro Mendini, collection Groninger Museum, Foto: Marten de Leeuw,
Mitte: Alessandro Mendini
unten:
Bild 1: Anne G, Corkscrew for Alessi, 1994, Alessandro Mendini, Foto: Alessi – Allessando Mendini Archive,
Bild 2: Abissina, 2018, Alessandro Mendini, produced by Alessio Sarri, Fiorentino, Foto: Marta Sansoni,