Sunset. Ein Hoch auf die sinkende Sonne

Menschen lieben Sonnenuntergänge. Wenn die Sonne sinkt und in einem Farbenspiel am Abendhimmel zerfließt, ist fast jeder gebannt und zutiefst berührt: von einem Ereignis, das sich tagtäglich wiederholt und doch wie ein letzter Akt empfunden wird.

Die Kunst blickt allerdings kritisch auf das populäre Motiv: Es steht unter Kitschverdacht. Mit der Ausstellung „Sunset“ ging die Kunsthalle Bremen dem Motiv und seinen vielschichtigen Kontexten nach: Hochkarätige Leihgaben und Werke aus der eigenen Sammlung führten zurück in die Romantik und bis in das 21. Jahrhundert hinein. Sie erzählten vom Pathos eines Moments, der als Metapher für das Leben und dessen Endlichkeit gedeutet wird, von atemberaubender Schönheit, von Traum und Aufruhr, von apokalyptischen Visionen.

Außerdem spiegeln uns zahlreiche zeitgenössische Werke, mit welcher Haltung und mit welchen Fragen wir heute auf das Himmelsspektakel schauen. Dabei geht es um eine Gemengelage von Kitsch und Kunst, um künstlerische Ansätze, die sich der Physik der Phänomene zwischen Abendrot und Blauer Stunde widmen, um Atmosphärenforschung im übertragenen und im konkret ökologischen Sinn

Insgesamt wurden rund 120 Gemälde, Zeichnungen, Grafiken, Fotografien, Videos und Installationen präsentiert. Unter anderem von Caspar David Friedrich, William Turner, Claude Monet, Anna Ancher, Félix Vallotton, Emil Nolde, Andy Warhol, Ed Ruscha, Wolfgang Tillmans, Norbert Schwontkowski, Tacita Dean und Heike Kati Barath. Die Werke werden zu einem Kosmos, der in die Kunstgeschichte führt und bis in die Gegenwart hinein die Veränderung von Wahrnehmungskulturen zur Diskussion stellt.


http://www.kunsthalle-bremen.de

Bilder:
Oben: Henri Meunier, Le Testament du Baron Jean von R. de Pont-Jest, 1898,Kunsthalle Bremen Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett
Unten: Félix Vallotton, Coucher de soleil à Grâce, ciel orangé et violet, 1918, Privatsammlung