Zeitlose Bildsprache: Die Ausstellung „Foto: Hans Hansen“ in Hamburg

Mit der Ausstellung „Foto: Hans Hansen“ widmet das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G) einem der bedeutendsten Fotografen der Nachkriegszeit eine umfassende Werkschau. Gezeigt werden rund 220 ikonische Fotografien aus über sechs Jahrzehnten.

In internationalen Kampagnen hat Hans Hansen die Produktfotografie seit den 1960er Jahren revolutioniert und das kollektive Bildgedächtnis ganzer Generationen geprägt. Werkzeuge, Korrespondenzen, Skizzen, Archivmaterial und ausgewählte Objekte aus seiner Privatsammlung eröffnen darüber hinaus vertiefende Einblicke in seinen Arbeitsprozess. Mit der jüngsten Werkserie „Analog“ (2024) richtet Hansen den Blick zugleich auf die eigenen fotografischen Gestaltungsmittel in seiner unverwechselbaren, sachlich-minimalistischen Bildsprache; eigens für die Ausstellung entsteht zudem eine neue Fotoserie.

Während sich die Welt außerhalb des Studios fortwährend verändert, herrscht im Studio eine konstante Ordnung: Alles hat seinen Platz. In seinen Stillleben reduziert Hans Hansen die Gegenstände auf das Wesentliche: Er ordnet, zerlegt und strukturiert Formen, Farben und Materialien. Seine Fotografien wirken zeitlos. Seine Arbeiten tragen eine unverkennbare Handschrift, indem sie den Blick mit radikaler Klarheit auf die alltägliche Dingwelt und Gestaltung lenken – unablässig sucht er dabei nach neuen Bildlösungen. Licht und Schatten, Komposition und Perspektive sind zentrale Parameter und elementare Mittel, mit denen er das Wesen der Fotografie stetig hinterfragt.

Um nur einige seiner Arbeitsbereiche zu nennen: Zwischen 1963 und 1967 arbeitet Hans Hansen mit Art Director Jack Piccolo von der Agentur Doyle Dane Bernbach (DDB) für die weltweite Kampagne der Lufthansa zusammen, ab Ende der 1960er Jahre für Volkswagen, Porsche, Mercedes-Benz und Fiat. Für Auftraggeber wie das Magazin Stern, die Supermarktkette Rewe und Lufthansa entwickelt Hansen seit den 1970er Jahren eine neue Bildsprache für Lebensmittel. Das Kapitel Glas, Eis und Wasser markiert die erste Zusammenarbeit mit dem bekannten finnischen Glasgestalter Tapio Wirkkala ab 1962 und den Anfang einer lebenslangen Leidenschaft für den Werkstoff Glas. Eine 1999 im Greenpeace Magazin erschienene Bildstrecke zur Reportage „Trauma“ zeigt, wie konsequent Hansen konzeptuellen Blick und bildliche Reduktion auch in sozialpolitischen Kontexten einsetzt. Mit ähnlich minimalistischen Bildern prägt Hansen gemeinsam mit Thomas Rempen (Hildmann, Simon, Rempen & Schmitz) seit den 1980er Jahren das Markenbild des Leuchtenherstellers Erco.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Hans Hansen vereint hanseatische Bescheidenheit mit absoluter Weltklasse. Als einer der prägendsten Fotografen Deutschlands hat Hansen alltägliche Gegenstände in Bilder von sachlicher Schönheit verwandelt.“ Tulga Beyerle, Direktorin Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg: „Hans Hansen hat mit seinen klaren, fein komponierten Fotografien unseren Blick auf die Dinge nachhaltig verändert. Selbst wenn es beiläufig erscheint, jedes Licht, jeder Schatten ist präzise gesetzt und schärft unsere Wahrnehmung der abgebildeten Objekte, die dabei oft rätselhaft wirken.“

Hans Hansen wurde 1940 in Bielefeld geboren. Nach einer Ausbildung zum Lithografen nahm er ein Studium der „Angewandten Grafik“ bei Prof. Walter Breker an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf auf, die er ohne Abschluss verließ. Als Autodidakt begann er 1957 mit der analogen Mittelformatkamera „Rolleiflex“ zu fotografieren.

1962 entstanden erste Studien von Glasobjekten im Auftrag von Tapio Wirkkala. Zwischen 1963 und 1967 fotografierte Hansen internationale Werbekampagnen für Lufthansa.

Ab 1968 folgten weitere große Aufträge von Volkswagen, Mercedes-Benz und anderen Automobilherstellern in Deutschland, Frankreich, Italien und den USA. Nach der Gründung seines ersten Ateliers 1970 in Hamburg konzentrierte sich Hansen verstärkt auf die Sachfotografie. Parallel dazu realisierte er redaktionelle Beiträge, unter anderem für Magazine wie den Stern und das Süddeutsche Zeitung Magazin.

Ab 1980 arbeitete er zunehmend auch an freien, künstlerischen Projekten und fotografierte analog und digital, seit 2007 ausschließlich digital. Hans Hansen lebt und arbeitet in Hamburg.

Ausstellung bis 01.11.2026, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G)
http://www.mkg-hamburg.de

Bilder:
Oben: v.li.n.re: o. T. (Sim, Jasper Morrison), für Vitra, 2000 Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (Vitra) / Plakat für den VW-Käfer (VW Typ 1), 1970er Jahre, erstellt im Auftrag der Volkswagen AG (Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg) / o. T. (wire chairs, Ray + Charles Eames), für Vitra, 1997 Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (Vitra)
Mitte li: o. T. (VW Golf), für Volkswagen, 1988, erstellt im Auftrag der Volkswagen AG (Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg)
Mitte: 3 Bilder: o. T. (geometrische Formen), für Erco, 1983 Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (ERCO)
Unten re: Hans Hansen Porträt Atelier Hans Hansen
Unten: 2 Bilder: o. T. (Kachelraum), für Kodak, 1986, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (Kodak)