Symphonie der Farben. Paul Signac und der Neoimpressionismus

Das Museum Barberini in Potsdam präsentiert den Künstler Paul Signac in einer ersten umfassenden Schau in Deutschland und zeigt auch auf, welche zentrale Rolle der Künstler dabei spielte. Den höchsten Grad an Leuchtkraft und Harmonie zu erreichen – diesem Ziel verschrieb er sich, als er Mitte der 1880er Jahre mit Georges Seurat eine neue Malweise in die Kunst einführte. Farben wurden nicht mehr auf der Palette gemischt, sondern Punkt für Punkt auf die Leinwand gesetzt, um sich im Auge der Betrachtenden zu verbinden.

Die Ausstellung umfasst knapp 100 Werke, von denen mehr als ein Drittel von Paul Signac stammen. Neben berühmten Namen wie Georges Seurat und Camille Pissarro sind auch hierzu lande weniger bekannte Künstler vertreten, darunter die Belgier Théo van Rysselberghe und Alfred William Finch sowie der niederländische Maler Jan Toorop. Ebenso gezeigt werden Werke von Künstlerinnen des Neoimpressionismus wie Anna Boch, Lucie Cousturier und Jeanne Selmersheim-Desgrange, deren Bedeutung für die Bewegung bislang kaum untersucht wurde.

Mit dem Nebeneinander unvermischter Farben strebten die Künstlerinnen und Künstler des Neoimpressionismus eine Bildwirkung an, die an reines Licht erinnert. Die Motive ähneln denen ihrer impressionistischen Vorbilder, doch an die Stelle spontaner Malerei trat ein systematischer Farbauftrag aus fein gesetzten Pinseltupfen in den Farben des Prismas.

Der aus wohlhabendem Elternhaus stammende in Paris aufgewachsene Signac orientierte sich zu Beginn seiner Laufbahn am Impressionismus. 1884 lernte er Seurat kennen, der auf Grundlage zeitgenössischer Farb- und Wahrnehmungstheorien eine neue Malweise entwickelt hatte. Wie Signac sich diese Technik zu eigen machte, zeigen frühe Bilder von Seine-Landschaften und von den Küsten der Bretagne und Normandie. Sie werden mit Werken französischer Künstlerkollegen präsentiert, mit denen Signac 1884 die Société des Artistes Indépendants (Vereinigung unabhängiger Künstler) gründete.

Als Künstler wie als Kunsttheoretiker prägte Paul Signac den Einzug des Neoimpressionismus in Deutschland. Seine zentrale Schrift verortet die Strömung in einer Malereitradition, die der Farbe den Vorrang gibt. Sie erschien 1903 auf Deutsch unter dem Titel Von Eugen Delacroix zum Neo-Impressionismus und wurde bald im fortschrittlichen Bürgertum des deutschen Kaiserreichs aufgenommen.

Zu den bedeutendsten Unterstützern des Neoimpressionismus zählten der Sammler und Publizist Harry Graf Kessler, der Architekt Henry van de Velde, der viele seiner Auftraggeber zum Erwerb neoimpressionistischer Bilder anregte, und der Maler Curt Herrmann. Dieser griff wie andere Künstler die neue Technik in seiner Malerei auf. In Deutschland verstärkten gesellschaftliche Debatten über das Sehen und Wahrnehmen sowie die Reformbewegung im Kunstgewerbe das Interesse am neuen Umgang mit Farbe.

Ausstellung bis 11.10.2026, Museum Barberini, Potsdam,
http://www.museum-barberini.de

Bilder:
Oben: Paul Signac, Segel und Pinien, 1896, Privatsammlung
Unten: v.li.n.re.: Anna Boch, Rückkehr vom Fischfang, 1891, Privatsammlung, Belgien, Courtesy Virginie Devillez Fine Art Vincent Everarts / Paul Signac, Der Hafen bei Sonnenuntergang, Opus 236 (Saint-Tropez), 1892, Sammlung Hasso Plattner, Museum Barberini / Théo van Rysselberghe, Paul Signac am Steuer der Olympia, 1896, Archives Signac